Pussin Bootis (mittelalterliche Satire)


📌 Steckbrief

Art: Satirische Wanderkatze des Mittelalters


Herkunft: Spöttische Erzählungen aus Klöstern und fahrenden Spielmannskreisen


Merkmale: Schlanke Gestalt; abgenutzte Stiefel; listiger Blick; trägt in manchen Darstellungen einen winzigen Umhang oder eine Feder


Symbolik: Spott über menschliche Eitelkeit, Sinnbild für schlaue Wortspiele und gesellschaftliche Kommentare


Besonderheit: In mittelalterlichen Texten erscheint sie oft als clevere Beobachterin höfischer Torheiten und reist von Dorf zu Dorf, um Geschichten und Gerüchte zu „sammeln“


🐾 Kurzbeschreibung

Pussin Bootis ist eine humorvolle Erscheinung aus der mittelalterlichen Satire und wurde vor allem in Klöstern, Akademien und unter fahrenden Musikanten erwähnt. Die Figur parodiert die menschliche Angewohnheit, sich größer, wichtiger oder edler darzustellen, als man tatsächlich ist. In Geschichten erscheint die Katze mit abgewetzten Stiefeln, einem schlauen Blick und dem unerschütterlichen Talent, Schwächen und Widersprüche ihrer Umgebung zu erkennen.

Spielleute nutzten Pussin Bootis gerne, um herrschaftliche Eitelkeiten oder kirchliche Übertreibungen scherzhaft zu kommentieren, ohne direkte Kritik üben zu müssen. Die Katze galt als „Wanderchronistin“, die alles hörte, alles sah und ihre Beobachtungen in beiläufigen Bemerkungen oder scheinbar harmlosen Liedzeilen versteckte. In manchen Darstellungen begleitet sie Händler oder Reisende, um neue Geschichten zu sammeln, die sie später in humorvolle Anekdoten verwandelt.

Für viele moderne Interpreten symbolisiert Pussin Bootis die Kunst, Missstände durch Witz und Ironie sichtbar zu machen. Ihr Auftauchen gilt als Hinweis, Dinge nicht zu ernst zu nehmen, aufmerksam zuzuhören und auch im Alltag die komischen Seiten zu erkennen — ganz im Sinne der mittelalterlichen Satiretradition.

 

Pussin Bootis darf nicht mit dem später entstandenen „Gestiefelten Kater“ aus den europäischen Märchen verwechselt werden. Die Figur stammt aus deutlich älteren, satirischen Überlieferungen und besitzt keinen Bezug zur literarischen Märchenversion.