Okuri Neko


📌 Steckbrief

Art: Mythologische Begleit- und Schwellenkatze des japanischen Volksglaubens


Herkunft: Japan (bergige Regionen und ländliche Passwege, Okuri-inu-Überlieferungen)


Merkmale: Schlanker, ausdauernder Körperbau, mittellanges dunkles Fell mit feiner Zeichnung, gespannte Rückenlinie, ruhige seitlich gerichtete Augen


Symbolik: Prüfung von Standhaftigkeit, Schutz auf gefährlichen Wegen, Begleitung nächtlicher Übergänge


Besonderheit: Gilt als Katze, die Reisende lautlos verfolgt und nur dann eingreift, wenn Schwäche oder Unachtsamkeit sichtbar werden


🐾 Kurzbeschreibung

Die Okuri Neko ist mit abgelegenen Bergpfaden und nächtlichen Übergangswegen Japans verbunden und verkörpert eine ruhige, prüfende Form von Wachsamkeit. Sie erscheint bevorzugt auf schmalen Passwegen, an Waldrändern oder entlang steiler Treppenpfade, wo Bewegung Aufmerksamkeit verlangt und jeder Schritt bewusst gesetzt werden muss. In den Überlieferungen begleitet sie Menschen schweigend von hinten und beobachtet Haltung, Rhythmus und innere Stabilität. Ihr Wesen ist gesammelt und distanziert, geprägt von genauer Wahrnehmung statt direkter Einwirkung. Die Okuri Neko greift nicht ein, solange der Weg sicher gegangen wird, gilt jedoch als unerbittlich gegenüber Nachlässigkeit oder innerer Unordnung. Sie symbolisiert die Konfrontation mit eigener Standfestigkeit und die Verantwortung, Übergänge achtsam zu durchschreiten. Ihre Präsenz wird mit Selbstkontrolle, Konzentration und dem Respekt vor unsichtbaren Schwellen verbunden. In mystischer Deutung steht sie für Prüfungen, die nicht angekündigt werden, sondern im Gehen entstehen. Die Okuri Neko erinnert daran, dass Schutz nicht immer tröstend wirkt und dass Begleitung auch still erfolgen kann. Sie verkörpert die Fähigkeit, äußere Bewegung mit innerer Sammlung zu verbinden. Ihre Erscheinung wirkt nüchtern und klar, ohne Drohung oder Dramatisierung. Als mystische Katze repräsentiert sie die japanische Vorstellung, dass jeder Weg zugleich Beobachtung und Bewährung ist.