Maneki Neko


Maneki Neko – Die winkende Glückskatze

Die Maneki Neko, im Deutschen meist „Winkekatze“ genannt, gehört zu den bekanntesten Katzenfiguren der Welt. In Schaufenstern, Restaurants oder Privathaushalten sieht man sie in unzähligen Varianten: mal golden glänzend, mal schlicht weiß, mal mit der rechten, mal mit der linken Pfote erhoben. Doch hinter der vermeintlich kitschigen Figur steckt eine lange Geschichte voller Legenden, kultureller Bedeutungen und religiöser Bezüge. Ursprünglich in Japan entstanden, ist sie heute ein weltweites Symbol für Glück, Wohlstand und Schutz.

 

Ursprünge und erste Nachweise

Die Ursprünge der Maneki Neko reichen in die späte Edo-Zeit zurück. Historisch gesichert ist ihre Erwähnung in einem Chronikwerk von 1852 („Bukō nenpyō“), wo von kleinen Katzenfiguren berichtet wird, die Glück bringen sollen. Zeitungen aus dem Jahr 1876 erwähnen bereits die „Winkekatze“ als gängiges Motiv, und 1902 tauchte sie in Anzeigen für Spielwaren auf. Besonders in den Stadtteilen von Edo (dem heutigen Tokio) entwickelten sich Werkstätten, die Keramikfiguren herstellten – vor allem im Imado-Viertel. Dort entstand die sogenannte Imado-Neko, eine der ältesten Vorläuferformen.


Legenden zur Entstehung

Mit der Popularität wuchsen auch die Geschichten über die Herkunft der Glückskatze. Gleich mehrere Legenden ranken sich darum, warum Katzen mit erhobener Pfote Glück bringen sollen:

  • Die Tempelkatze von Gotokuji: Ein verarmter Priester lebte mit seiner Katze in einem kleinen Tempel. Eines Tages soll ein Fürst an diesem Tempel vorbeigeritten sein, als die Katze ihm mit erhobener Pfote zuwinkte. Neugierig folgte er der Geste – kurz darauf schlug ein Blitz an der Stelle ein, wo er eben noch gestanden hatte. Aus Dankbarkeit unterstützte der Fürst den Tempel, der daraufhin aufblühte. Noch heute ist der Gotokuji-Tempel in Tokio ein Wallfahrtsort für Verehrer der Maneki Neko.

  • Die Kurtisane Usugumo: In einer anderen Geschichte wird die Katze einer Kurtisane verdächtigt, verhext zu sein. Als der Hausbesitzer das Tier töten wollte, sprang es auf und erwürgte eine Giftschlange, die seine Herrin bedrohte. Um die tapfere Katze zu ehren, wurde ihr Abbild in Ton geformt – der Beginn der Glücksfigur.

  • Die arme Ladenbesitzerin: Eine Frau, die sich kaum über Wasser halten konnte, träumte davon, ihre Katze habe ihr geraten, Figuren von ihr zu verkaufen. Sie formte Katzen aus Ton, die sich so gut verkauften, dass sie nie wieder in Not leben musste.

Alle diese Legenden tragen ein gemeinsames Motiv: Die Katze als Retterin, Beschützerin und Bringerin von Glück und Wohlstand.


Symbolik der Pfoten und Farben

Besonders charakteristisch ist die erhobene Pfote. Doch welche Bedeutung hat sie?

  • Rechte Pfote oben: Sie bringt Glück und materiellen Wohlstand.

  • Linke Pfote oben: Sie zieht Kundschaft und Gäste an, besonders in Geschäften.

  • Beide Pfoten oben: Schutz vor Gefahren – manchmal aber auch als übertrieben oder gar gierig gedeutet.

 

Auch die Farbvarianten sind voller Symbolik. Die klassische „Calico“-Katze (weiß mit schwarzen und roten Flecken) gilt als besonders glücksbringend. Eine weiße Katze symbolisiert Reinheit, eine schwarze Schutz vor bösen Geistern. Goldene Katzen stehen für Reichtum, rote für Gesundheit, grüne für schulischen Erfolg, blaue für Sicherheit im Alltag. Selbst rosafarbene Figuren tauchen auf, die Liebe und Romantik verkörpern sollen.

Tempel zu Setō mit Maneki Neko-Figuren


Ausstattung und Attribute

Die Maneki Neko trägt fast immer ein rotes Halsband mit einem kleinen Glöckchen. Dieses Detail hat historische Wurzeln: Wohlhabende Familien des Edo-Japans statteten ihre Katzen mit solchen Halsbändern aus. Ein weiteres Detail ist das Lätzchen, das manchmal religiöse Bezüge zu buddhistischen Schutzfiguren wie Jizō herstellt.

Fast immer hält die Katze einen Gegenstand in der anderen Pfote. Am häufigsten ist die ovale Goldmünze, der sogenannte Koban, mit einem fiktiven Wert von „zehn Millionen Ryō“ – ein klarer Wunsch nach Reichtum. Andere Attribute sind Hämmerchen, Fische wie Karpfen oder Doraden, Edelsteine, Sake-Krüge oder Glücksfächer. Jede Variante ist mit eigenen Segenswünschen verbunden.

Bräuche, Tempel und Feste

Noch heute ist die Maneki Neko tief in der japanischen Alltagskultur verankert. Der bekannteste Ort ist der Gotokuji-Tempel in Tokio, dessen Gelände voller kleiner weißer Katzenfiguren ist, die Gläubige als Opfergaben dort aufstellen. Ebenso berühmt ist der Imado-Schrein, der als Geburtsstätte der Figur gilt. Hier kann man nicht nur Glücksamulette erwerben, sondern auch an Zeremonien teilnehmen.

Seit einigen Jahren gibt es sogar einen offiziellen „Maneki-Neko-Tag“: Am 29. September wird die Glückskatze in Japan gefeiert – das Datum leitet sich aus einem Wortspiel ab, da 9-2-9 im Japanischen ähnlich klingt wie „Kuru Fuku“ („Glück kommt“).


Globale Verbreitung und Populärkultur

Mit der Auswanderung japanischer Händler und Arbeiter im 19. Jahrhundert gelangte die Maneki Neko auch nach China, Korea und später in den Westen. Besonders in Chinatown-Vierteln weltweit gehört sie inzwischen zum Standardinventar. Von dort aus trat sie ihren Siegeszug in die Popkultur an: In Anime, Manga und Videospielen taucht sie immer wieder auf, etwa in der Figur „Meowth“ aus Pokémon oder als Maskottchen in Fantasy-Welten. Selbst in Wahlkämpfen oder auf Firmenlogos ist sie inzwischen zu finden.

Heute gibt es unzählige Varianten: aus Keramik, Porzellan, Plastik, sogar mit Solar betrieben, sodass die Pfote unermüdlich wackelt. Vom kleinen Schlüsselanhänger bis zur lebensgroßen Statue in Einkaufszentren – die Maneki Neko hat ihren Platz als universelles Glückssymbol behauptet.

 

Fazit

Die Maneki Neko ist weit mehr als ein kitschiges Souvenir. Sie verkörpert die Mischung aus Volksglaube, religiöser Symbolik und kultureller Identität, die Japan seit Jahrhunderten prägt.

Ihre Gesten, Farben und Attribute machen sie zu einem komplexen Glücksbringer, der sich zugleich wandelbar und universell zeigt. Von den Tempeln des alten Edo bis zu den Schaufenstern moderner Metropolen – die winkende Katze erinnert uns daran, dass Hoffnung, Glück und ein kleines bisschen Magie überall willkommen sind.