Katzenfett & Knochenmehl


Katzenfett & Knochenmehl – Salben, Seifen und Streckmittel

 

Fett für die Wundsalbe – Grausame Rezepturen

In der frühen Volksmedizin war tierisches Fett ein gefragter Rohstoff: Bärenfett gegen Bronchitis, Gänsefett für Brustumschläge – und eben Katzenfett gegen Gicht, Rheuma oder Hexenschuss. Besonders das Fett von jungen, gesunden Katzen galt als wirksam, da es als „rein“, „schnellflüssig“ und „durchdringend“ beschrieben wurde.
Verwendet wurde es zumeist äußerlich – eingerieben auf schmerzende Gelenke, eingekocht zu Salben oder mit Kräutern vermengt als warmes Wickelmittel.

In Rezeptbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts finden sich erschreckend nüchterne Hinweise wie:

„Man nehmt das Fett einer gesottenen schwarzen Katze und vermenge es mit Lavendel und Bienenwachs.“


Knochenmehl – zerrieben, verräuchert, verschluckt

Neben dem Fett fanden auch Katzenknochen Verwendung – insbesondere jene kleiner, magerer Tiere. Nach dem Tod der Katze wurden die Knochen ausgekocht, getrocknet und gemahlen – zu weißem Pulver, das man entweder mit Speichel zu einer Paste anrührte oder in Wein auflöste.
Man versprach sich davon Hilfe gegen Fieber, Knochenbrüche oder sogar „gebrochene Herzen“.
In manchen Regionen wurde das Pulver auch als „Streckmittel“ in anderen Substanzen verwendet, etwa um teure Arzneien zu „verlängern“ – eine frühe Form des Betrugs mit rituellem Anstrich.

 

Seifen aus Tierkadavern

Besonders im 18. Jahrhundert finden sich Hinweise auf Katzenfett als Seifengrundlage – meist in „Privatrezepten“ für stark parfümierte Seifen, die angeblich besonders weich und „geistervertreibend“ waren.
Solche Seifen sollten Krankheiten „abwaschen“, insbesondere Ausschläge, Krätze und Dämonen. Die Vorstellung war grotesk, aber weit verbreitet: Durch das Reiben mit einer Katze – selbst in Form von Fett oder Knochen – würde etwas Lebenskraft auf den Menschen übergehen.
In der Praxis bedeutete das meist rohe Gewalt gegen das Tier, ohne jede medizinische Grundlage.


Magische Dehnmittel für Salben und Rituale

Knochenmehl wurde aber nicht nur als Zutat verwendet – es galt in manchen Regionen als „energetischer Verstärker“.

Wer eine Salbe mit Katzenknochenstaub einrieb, sollte laut Überlieferung die Wirkung „verstärken“ – besonders bei Fluchabwehr oder Liebeszauber.
Solche Anwendungen zeigen: Die Katze war nicht nur Heilträgerin, sondern auch magischer Verstärker für Rezepte, die zwischen Medizin, Mystik und Manipulation schwankten.

 

Eine Praxis aus Angst und Hoffnung

Die Herstellung dieser Mittel geschah selten aus Bosheit – sondern aus Verzweiflung, Unwissenheit und überliefertem Aberglauben. Menschen, die sich keine ärztliche Hilfe leisten konnten, griffen zu dem, was greifbar war: Kräuter, Tiere, Hausmittel. Die Katze wurde dabei nicht als Freund gesehen, sondern als magische Ressource – ein Denken, das heute erschreckt, aber historisch nachvollziehbar ist.


Fazit: Streckmittel der Grausamkeit

Die Verwendung von Katzenfett und Knochenmehl gehört zu den düstersten Kapiteln vor medizinischer Praxis. Diese Mittel waren weder wirksam noch notwendig – und sie forderten das Leben unschuldiger Tiere. Doch gerade deshalb ist es wichtig, sie zu benennen: als Mahnung, wie schnell sich Not, Aberglaube und menschlicher Erfindungsgeist zu grausamen Methoden verbinden können.