Katzenasche und Katzenhaare
Katzenasche und Katzenhaare – Pulver für seltsame Zwecke
Zwischen Aberglaube, Alchemie und früher Medizin
Wenn aus Katzen Medizin wurde
In alten Kräuterbüchern und Volksheilkundesammlungen finden sich immer wieder irritierende Hinweise auf die Verwendung von verbrannter Katzenasche oder zermahlenem Fell. Was aus heutiger Sicht grausam erscheint, war in früheren Jahrhunderten mitunter Teil ernstgemeinter Heilmethoden – oder diente magischen Praktiken.
Anwendungsgebiete: Haar gegen Husten, Asche gegen Zahnweh
So wurde etwa die Asche einer verbrannten schwarzen Katze bei Zahnschmerzen in Wasser verrührt und als Gurgelmittel empfohlen. Gegen Asthma sollte man das verbrannte Fell einatmen, gegen Warzen die Haare verbrennen und in die Wunde pusten. In einigen Regionen wurden die feinen Haare auch in kleine Beutelchen gefüllt – als Amulett gegen „Lungenschwäche“ oder „böses Blut“.
Auch auf Wunden gestreut, sollten sie die „entzündende Kraft des Feuers“ binden, so glaubte man – eine Vorstellung, die sich wohl aus Beobachtungen über das schnelle Heilen von Tierbissen oder Kratzern speiste.
Alte Rezepte und ihre Sprache
Ein Rezept aus dem 17. Jahrhundert beschreibt es so:
„Man verbrenne ein junges Katzenjunges mit seinen Haaren, stoße die Asche fein und mische sie unter Honig. Zu reiben auf die kranken Zähne und das Zahnfleisch.“
Ein anderes empfiehlt:
„Cattenhehr gestossn mit Salbey vnd brennessel, legt man auff das Hertz des weibs zur stillung des auflaufs.“
Derartige Hinweise finden sich nicht nur in obskuren Schriften, sondern auch in älteren medizinischen Kompendien – oft ohne ethische Einordnung.
Symbolik und Aberglaube
Warum ausgerechnet Katzen? Die Tiere galten vielerorts als Grenzgänger zwischen Leben und Tod, Tag und Nacht, Diesseits und Jenseits. Ihre Haare und Knochen schrieb man besondere Kräfte zu – insbesondere bei schwarzen Katzen, die mit Magie und „unsichtbarer Kraft“ assoziiert wurden. Die Asche sollte diese Energie bündeln und durch rituelle Verwendung weitergeben.
Zudem sah man in verbranntem Haar ein Zeichen für „Verzehrung“: Das Opfer – in diesem Fall die Katze – sollte die Krankheit symbolisch annehmen und mit sich forttragen.
Katzenasche zur Austreibung von „inneren Dämonen“
In Teilen Südfrankreichs, Tirols und des Balkanraums wurde Katzenasche sogar zur rituellen Reinigung eingesetzt – etwa gegen „Wahn“, „Besessenheit“ oder unerklärliche Traurigkeit. Die Betroffenen mussten dreimal um ein rituelles Feuer gehen, während eine Jungfrau die Asche über brennenden Wacholder streute. Der Rauch galt als kraftvoller Schutz gegen „nächtliches Drücken“ oder „Seelenunruhe“.
Obwohl es sich hier kaum noch um Medizin im eigentlichen Sinne handelte, war der Übergang fließend – insbesondere bei Frauenleiden oder geistigen Störungen.
Vergleich zu anderen Pulvern
Interessant ist: Solche Praktiken beschränkten sich nicht nur auf Katzen. Auch Haare von Neugeborenen, Eseln, Hunden oder gar Menschen wurden getrocknet, verbrannt und zu Pulver verarbeitet – oft mit ähnlich dubioser Wirkung. Doch das Katzenhaar galt wegen seiner „geistnahen Eigenschaft“ als besonders wirksam – und wurde darum bevorzugt in magischen Anwendungen eingesetzt.
Rückblick mit Bedacht
Solche Praktiken gehören heute zur dunklen Geschichte tiergestützter Medizin. Sie zeigen, wie stark Aberglaube, Angst und Unwissenheit zusammenwirken konnten – aber auch, wie zentral Tiere früher in Heil- und Schutzvorstellungen eingebunden waren. Heute mahnt uns dieses Wissen zur Vorsicht im Umgang mit vermeintlich „alten Hausmitteln“. Die Würde des Tieres ist ein Wert, der sich erst im späten 19. Jahrhundert allmählich durchzusetzen begann – viel zu spät.
Hinweis:
Diese Seite dokumentiert überholte Vorstellungen aus der frühen Heilkunde. Sie dient rein historischen und kulturellen Zwecken und stellt keine medizinische Empfehlung dar.