Mythos: Trockenfutter ist grundsätzlich
schlechter als Nassfutter
In vielen Diskussionen über Katzenernährung wird Trockenfutter grundsätzlich als minderwertig dargestellt. Gleichzeitig gilt Nassfutter häufig als die „natürlichere“ oder automatisch bessere Fütterungsform. Solche pauschalen Bewertungen vereinfachen jedoch ein komplexes Thema.
Zunächst sollte unterschieden werden zwischen der Futterform und der tatsächlichen Nährstoffzusammensetzung. Trockenfutter und Nassfutter unterscheiden sich vor allem im Wassergehalt. Dieser Unterschied beeinflusst unter anderem Energiedichte und Wasseraufnahme der Katze. Er sagt jedoch allein noch nichts darüber aus, ob ein Futter ernährungsphysiologisch geeignet ist.
Ein wichtiger Anhaltspunkt ist die Deklaration als Alleinfuttermittel. Ein Futter mit dieser Kennzeichnung soll so zusammengesetzt sein, dass es bei ausschließlicher Fütterung den täglichen Bedarf einer Katze an Nährstoffen decken kann. Diese Kennzeichnung ist unabhängig davon, ob es sich um Trocken- oder Nassfutter handelt.
Auch innerhalb beider Kategorien gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. Ein preisgünstiges Nassfutter mit geringem Fleischanteil und vielen pflanzlichen Nebenerzeugnissen kann ernährungsphysiologisch ungünstiger sein als ein hochwertiges Trockenfutter mit hohem Anteil tierischer Proteine. Umgekehrt gibt es auch Trockenfutter mit sehr hohem Kohlenhydratanteil und vergleichsweise wenig tierischen Bestandteilen.
Ein häufiges Argument in der Diskussion ist die Verarbeitung von Trockenfutter. Durch die Herstellung unter Hitze und Druck können bestimmte Nährstoffe teilweise verändert werden. Deshalb werden viele Vitamine und andere empfindliche Stoffe nach dem Herstellungsprozess wieder zugesetzt. Diese Vorgehensweise ist jedoch in der Lebensmittelproduktion allgemein üblich und nicht auf Trockenfutter beschränkt.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Energiedichte. Da Nassfutter einen hohen Wasseranteil enthält, ist die Energiemenge pro Gramm meist deutlich geringer als bei Trockenfutter. Dadurch kann Nassfutter größere Portionen ermöglichen, ohne dass die Kalorienzufuhr stark ansteigt. Trockenfutter dagegen liefert auf kleinerer Menge mehr Energie.
Für manche Katzen kann diese höhere Energiedichte sogar vorteilhaft sein. Sehr aktive Tiere oder Katzen mit erhöhtem Energiebedarf können ihren Bedarf leichter decken, ohne große Futtermengen aufnehmen zu müssen. Gleichzeitig ist Trockenfutter aufgrund seiner Haltbarkeit und einfachen Handhabung für viele Halter praktisch.
Auch der Vergleich der Nährstoffgehalte kann irreführend sein, wenn nur die Angaben auf der Verpackung betrachtet werden. Nassfutter enthält viel Wasser, wodurch die angegebenen Prozentwerte für Protein oder Fett zunächst niedriger erscheinen. Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, müssen solche Werte auf die sogenannte Trockensubstanz umgerechnet werden. Erst dann lässt sich beurteilen, wie hoch der tatsächliche Anteil bestimmter Nährstoffe im Futter ist.
Ein weiterer Punkt betrifft die Kohlenhydrate im Trockenfutter. Bei der Herstellung von Kroketten wird Stärke benötigt, um eine stabile Struktur zu erzeugen. Deshalb enthalten viele Trockenfutter mehr Kohlenhydrate als Nassfutter. Katzen können diese Stärke grundsätzlich verdauen, auch wenn ihr Stoffwechsel stärker auf eine proteinreiche Ernährung ausgerichtet ist.
Die gesundheitliche Bedeutung dieser Kohlenhydrate hängt stark von der Gesamtzusammensetzung der Nahrung und der individuellen Situation der Katze ab. Faktoren wie Gesamtenergieaufnahme, Aktivität, Körpergewicht und Stoffwechsel spielen dabei eine wichtige Rolle.
Für die praktische Fütterung bedeutet das: Die einfache Frage „Trocken oder Nass?“ greift meist zu kurz. Wichtiger ist die Qualität der Zutaten, die ausgewogene Nährstoffzusammensetzung und die Anpassung der Futtermenge an die Bedürfnisse der einzelnen Katze.
Viele Tierärzte empfehlen deshalb eine Mischfütterung aus Nass- und Trockenfutter. Diese Kombination kann die Vorteile beider Fütterungsformen verbinden. Nassfutter trägt zur Wasseraufnahme bei, während Trockenfutter beispielsweise für Futterspiele oder als kleine Portionen über den Tag verteilt genutzt werden kann.
Letztlich hängt die geeignete Fütterungsstrategie immer vom einzelnen Tier ab. Alter, Aktivität, Gesundheitszustand, Gewicht und individuelle Vorlieben spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn Unsicherheiten bestehen oder gesundheitliche Probleme auftreten, sollte die Ernährung der Katze durch einen Tierarzt beurteilt werden.