Gut gemeint, aber schlecht gemacht


Gut gemeint, aber schlecht gemacht

Viele Alltagshandlungen im Zusammenleben mit Katzen entstehen aus guter Absicht. Man möchte Nähe zeigen, trösten, helfen oder erziehen. Häufig liegt dabei jedoch ein klassisches Missverständnis vor: Menschliche Logik wird auf ein Tier angewendet, das Situationen völlig anders wahrnimmt. Katzen reagieren nicht nach moralischen oder sozialen Maßstäben, sondern instinktiv und situationsbezogen.

Ein typisches Beispiel ist der Umgang mit Nähe. Wenn eine Katze sich auf den Rücken rollt und ihren Bauch zeigt, wird dies oft als Einladung zum Streicheln verstanden. 

In der Katzensprache ist das Entblößen des Bauches jedoch meist ein Vertrauenssignal und keine Aufforderung zum Anfassen. Der Bauch ist die verletzlichste Körperregion. Wird er berührt, fühlt sich die Katze schnell bedroht oder bedrängt, was zu Abwehrreaktionen führen kann.


Auch intensiver Blickkontakt wird häufig falsch interpretiert. Während Menschen längeres Anschauen als Zuwendung empfinden, gilt direktes, anhaltendes Anstarren unter Katzen eher als Drohgebärde. Manche Katzen wenden dann den Blick ab, andere reagieren mit Anspannung oder Rückzug. Solche Reaktionen werden oft missverstanden, obwohl die Katze lediglich versucht, eine Situation zu entschärfen.

Gut gemeinte Trostversuche können ebenfalls problematisch sein. Bei Angstreaktionen – etwa durch Gewitter oder laute Geräusche – ziehen sich viele Katzen instinktiv zurück. Wird die Katze in solchen Momenten hochgenommen, festgehalten oder mit veränderter Stimme angesprochen, kann dies die Angst verstärken. Aus Sicht der Katze bestätigt die erhöhte Aufmerksamkeit, dass tatsächlich Gefahr besteht.

Auch übertriebene Sauberkeit kann unbeabsichtigte Folgen haben. Katzen orientieren sich stark über Gerüche und markieren vertraute Orte mit eigenen Duftstoffen. Werden Lieblingsplätze regelmäßig mit stark duftenden Reinigern gesäubert oder Textilien häufig komplett ausgetauscht, kann dies zu Unruhe führen. Manche Katzen versuchen dann, das „verlorene“ Sicherheitsgefühl erneut herzustellen.


Ein weiterer häufiger Punkt betrifft das Spielen. Wenn Katzen – besonders im Kittenalter – mit Händen oder Füßen spielen dürfen, lernen sie, menschliche Haut als Jagdobjekt zu betrachten. Was anfangs harmlos wirkt, kann später zu schmerzhaften Missverständnissen führen, wenn die Katze dieses Verhalten beibehält.

Auch das Hochheben von Katzen gehört zu den Situationen, die gut gemeint, aber problematisch sein können. Besonders der sogenannte Nackengriff wird noch immer angewendet, obwohl er für erwachsene Katzen unangenehm und stressauslösend ist. Diese Methode stammt aus der Mutter-Kind-Phase und ist für den Alltag nicht geeignet.
Darüber hinaus kann der Nackengriff Schmerzen verursachen und im ungünstigen Fall zu Verletzungen im Nacken- und Schulterbereich führen, da Haut, Muskulatur und Nerven erwachsener Katzen nicht dafür ausgelegt sind, das Körpergewicht zu tragen. Viele Katzen reagieren darauf mit Angst oder Abwehr, selbst wenn sie ansonsten zutraulich sind.

Viele dieser Situationen entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus dem Wunsch, alles richtig zu machen. Ein bewusster Perspektivwechsel hilft, Missverständnisse zu vermeiden. Wer Signale wahrnimmt, Rückzug respektiert und Erwartungen anpasst, schafft mehr Sicherheit für die Katze – und einen ruhigeren, vertrauensvolleren Alltag für beide Seiten.