Warum Katzen auf bestimmte Pflanzen reagieren
Warum Katzen auf bestimmte Pflanzen reagieren
Die Reaktion von Katzen auf bestimmte Pflanzen ist kein Zufall. Sie beruht auf biologischen Besonderheiten der Katze. Dabei spielen sowohl der Geruchssinn als auch der Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Um zu verstehen, warum manche Kräuter für Katzen interessant oder sogar problematisch sein können, muss man diese Besonderheiten genauer betrachten.
Das olfaktorische System und das Jacobson-Organ
Katzen orientieren sich stark über ihren Geruchssinn. Neben der normalen Nasenhöhle besitzen sie ein zusätzliches Sinnesorgan, das sogenannte Jacobson-Organ. Es wird auch als vomeronasales Organ bezeichnet.
Dieses Organ befindet sich im Gaumenbereich hinter den oberen Schneidezähnen. Wenn Katzen einen intensiven Geruch wahrnehmen, zeigen sie häufig ein Verhalten, das als „Flehmen“ bezeichnet wird. Dabei öffnen sie leicht das Maul und ziehen die Lippen zurück. Auf diese Weise gelangen Duftstoffe gezielt zum Jacobson-Organ.
Bestimmte Pflanzen enthalten Stoffe, die auf dieses Organ besonders stark wirken. Ein bekanntes Beispiel ist Nepetalacton in der Katzenminze. Auch Baldrian oder die asiatische Pflanze Matatabi enthalten ähnliche Duftstoffe.
Diese Substanzen ähneln in ihrer chemischen Struktur bestimmten Pheromonen der Katze. Gelangen sie über das Jacobson-Organ in das Gehirn, können sie Reaktionen im limbischen System auslösen. Viele Katzen reagieren darauf mit Rollen, Reiben, erhöhter Aktivität oder entspanntem Verhalten.
Interessant ist, dass diese Reaktion unabhängig vom Geschlecht oder vom Kastrationsstatus der Katze auftreten kann. Es handelt sich also um einen genetisch verankerten Mechanismus.
Besonderheiten des Katzenstoffwechsels
Ein sehr wichtiger Punkt bei der Verwendung von Heilpflanzen ist die besondere Stoffwechselphysiologie der Katze. Katzen besitzen in der Leber eine eingeschränkte Fähigkeit, bestimmte chemische Verbindungen abzubauen.
Ein entscheidender Stoffwechselweg ist die sogenannte Glucuronidierung. Dabei werden körperfremde Substanzen an Glucuronsäure gebunden und anschließend über die Nieren ausgeschieden.
Bei Katzen ist dieser Stoffwechselweg nur eingeschränkt vorhanden. Das bedeutet, dass bestimmte Stoffe deutlich langsamer abgebaut werden als bei vielen anderen Säugetieren.
Besonders betroffen sind einige Bestandteile ätherischer Öle sowie verschiedene Phenole und Terpene. Diese Stoffe kommen in vielen Pflanzen vor, zum Beispiel in Teebaumöl, Thymian oder Salbei.
Wenn solche Stoffe nicht ausreichend abgebaut werden können, können sie sich im Körper ansammeln. Dadurch kann eine Substanz, die für Menschen oder Hunde relativ harmlos ist, bei Katzen zu schweren Vergiftungen führen.
Aus diesem Grund muss der Einsatz von Heilpflanzen bei Katzen immer besonders vorsichtig erfolgen.
Instinktives Pflanzenfressen und Verdauung
Obwohl Katzen Fleischfresser sind, fressen sie gelegentlich Pflanzen oder Gras. Dieses Verhalten hat meist eine praktische Funktion.
Beim Putzen verschlucken Katzen regelmäßig Haare. Diese können sich im Magen zu sogenannten Haarballen sammeln. Durch das Fressen von Gras wird die Magenschleimhaut gereizt. Dadurch wird häufig ein Würgereflex ausgelöst, der das Ausspucken der Haare erleichtert.
Ein weiterer möglicher Grund für das Pflanzenfressen könnte die Aufnahme bestimmter Nährstoffe sein. In der Natur könnten Pflanzen beispielsweise eine zusätzliche Quelle für Folsäure darstellen, die in reinen Fleischrationen nur begrenzt vorkommt.
Diese Beobachtungen zeigen, dass Pflanzen im Verhalten von Katzen durchaus eine Rolle spielen können. Gleichzeitig erklärt die besondere Physiologie der Katze, warum viele Pflanzen nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden sollten.