Die Katze als obligater Karnivor
Um die Diskussion über Katzenfutter zu verstehen, ist ein kurzer Blick auf die biologische Grundlage sinnvoll. Hauskatzen stammen ursprünglich von der afrikanischen Falbkatze ab, einem kleinen Raubtier, das in trockenen Regionen lebt und sich hauptsächlich von kleinen Beutetieren ernährt.
Katzen gehören zu den sogenannten obligaten Karnivoren. Das bedeutet, dass ihr Stoffwechsel darauf spezialisiert ist, Nährstoffe aus tierischem Gewebe zu nutzen. Bestimmte lebenswichtige Stoffe können Katzen nur begrenzt oder gar nicht selbst herstellen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Aminosäuren wie Taurin und Arginin sowie einige Vitamine, die vor allem in tierischen Geweben vorkommen.
Der Stoffwechsel der Katze ist stark auf eine proteinreiche Ernährung ausgerichtet. Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten bleiben bei Katzen Enzyme aktiv, die für den Abbau von Protein zur Energiegewinnung zuständig sind. Selbst wenn weniger Protein aufgenommen wird, arbeitet dieser Stoffwechselweg weiter. Deshalb kann eine dauerhaft proteinarme Ernährung bei Katzen relativ schnell zu Problemen wie Muskelabbau führen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die ursprüngliche Wasseraufnahme. In ihrer natürlichen Umgebung decken Katzen einen großen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs über ihre Beutetiere. Mäuse, Vögel oder andere kleine Beutetiere bestehen zu einem großen Teil aus Wasser. Dadurch müssen Katzen vergleichsweise wenig zusätzlich trinken.
Diese biologische Anpassung wirkt sich auch auf das Verhalten moderner Hauskatzen aus. Viele Katzen zeigen von Natur aus ein eher schwaches Durstgefühl. Sie nehmen einen Teil ihres Wassers über die Nahrung auf und trinken häufig erst dann deutlich mehr, wenn die Nahrung sehr wenig Feuchtigkeit enthält.
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum der Wassergehalt des Futters in vielen Diskussionen eine so große Rolle spielt. Während Nassfutter bereits einen großen Anteil Wasser enthält, liefert Trockenfutter praktisch keine zusätzliche Feuchtigkeit. Die Katze muss diesen Unterschied daher durch Trinken ausgleichen, was jedoch von Tier zu Tier unterschiedlich gut funktioniert.
Diese biologischen Grundlagen sind wichtig, um viele der späteren Mythen rund um Trockenfutter besser einordnen zu können. Denn häufig entstehen Missverständnisse genau dort, wo natürliche Anpassungen der Katze und moderne Fütterungsformen aufeinandertreffen.