Mirtazapin


Mirtazapin bei Hauskatzen – Wirkung, Einsatz und Sicherheitsaspekte

Mirtazapin ist ein Wirkstoff, der bei Katzen vor allem zur Appetitsteigerung eingesetzt wird. Ursprünglich stammt er aus der Humanmedizin und gehört dort zu den Antidepressiva. In der Katzenmedizin hat er jedoch eine ganz eigene Bedeutung bekommen: Er hilft Katzen, die nicht fressen wollen oder unter starker Übelkeit leiden.

Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Leberproblemen kann Mirtazapin entscheidend dazu beitragen, dass eine Katze wieder regelmäßig Nahrung aufnimmt.


Wie wirkt Mirtazapin?

Mirtazapin beeinflusst mehrere Botenstoffe im Gehirn. Besonders wichtig sind:

  • Serotonin

  • Noradrenalin

Der Wirkstoff blockiert bestimmte Serotonin-Rezeptoren (vor allem 5-HT2- und 5-HT3-Rezeptoren). Dadurch wird einerseits der Brechreiz reduziert, andererseits steigt die Aktivität von Noradrenalin im Gehirn an.

Das führt zu:

  • gesteigertem Appetit

  • verminderter Übelkeit

  • leichter Aktivitätssteigerung

Die appetitanregende Wirkung entsteht vor allem über die Blockade von Serotonin-Rezeptoren im Hypothalamus, also dem Bereich des Gehirns, der Hunger und Sättigung steuert.


Warum ist Mirtazapin für Katzen so wichtig?

Katzen reagieren empfindlich auf Nahrungsverweigerung. Bereits wenige Tage ohne Futter können zu einer gefährlichen Fettleber (hepatische Lipidose) führen.

Mirtazapin kann helfen:

  • die Futteraufnahme wieder anzustoßen

  • eine drohende Lipidose zu verhindern

  • chronisch kranke Tiere stabil zu halten

Gerade bei Katzen mit chronischer Nierenerkrankung (CNI) ist Übelkeit ein großes Problem. Mirtazapin wirkt hier doppelt: gegen Übelkeit und für den Appetit.

Pharmakokinetik bei der Katze

Katzen bauen Mirtazapin langsamer ab als Hunde oder Menschen. Die Eliminationshalbwertszeit liegt bei etwa 8 bis 15 Stunden, kann bei Nierenpatienten jedoch deutlich verlängert sein.

Das bedeutet:

  • Die Dosierung muss angepasst werden.

  • Zu häufige Gabe kann zu Nebenwirkungen führen.

Es gibt Mirtazapin als:

  • Tablette

  • transdermale Salbe (Ohrsalbe)

Die Ohrsalbe hat den Vorteil, dass sie stressfrei aufgetragen werden kann – besonders hilfreich bei schwierigen Patienten.


Typische Einsatzgebiete

  • Appetitlosigkeit unklarer Ursache

  • chronische Niereninsuffizienz

  • chronische Magen-Darm-Erkrankungen

  • Tumorerkrankungen

  • Rekonvaleszenz nach Operationen

  • Gewichtsverlust im Alter

Mirtazapin wird nicht eingesetzt, um „mäkelige“ Katzen zum Fressen zu zwingen, sondern bei medizinisch bedingter Inappetenz.

Vorteile von Mirtazapin

  • Sehr zuverlässige Appetitsteigerung

  • Zusätzliche Wirkung gegen Übelkeit

  • Gute Verträglichkeit bei korrekter Dosierung

  • Auch als Salbe verfügbar

  • Kein Risiko einer idiosynkratischen Lebernekrose wie bei Diazepam

Gerade im Vergleich zu früher eingesetztem Diazepam gilt Mirtazapin heute als deutlich sicherer.


Mögliche Nebenwirkungen

Typische Nebenwirkungen können sein:

  • Unruhe

  • vermehrtes Miauen

  • Hyperaktivität

  • Zittern

  • erhöhter Puls

  • Erbrechen oder Durchfall (selten)

Ein bekanntes Phänomen ist das sogenannte „Vokalisieren“: Manche Katzen miauen unter Mirtazapin deutlich häufiger.

Bei Überdosierung kann es zu einem sogenannten Serotonin-Syndrom kommen. Symptome sind:

  • starkes Zittern

  • Muskelzuckungen

  • Unruhe

  • erhöhte Körpertemperatur

In solchen Fällen muss die Behandlung sofort beendet werden.

Besondere Vorsicht bei bestimmten Katzen

Vorsicht ist geboten bei:

  • Lebererkrankungen

  • schwerer Nierenerkrankung

  • gleichzeitiger Gabe anderer serotonerger Medikamente

Auch bei Kombination mit bestimmten Schmerzmitteln oder Antidepressiva kann es zu Wechselwirkungen kommen.


Langzeitanwendung

Eine längerfristige Gabe ist möglich, sollte aber regelmäßig überprüft werden. Wichtig ist:

  • Gewichtskontrolle

  • Beobachtung von Verhalten und Aktivität

  • ggf. Anpassung des Dosierungsintervalls

Bei chronisch kranken Katzen wird Mirtazapin oft nicht täglich, sondern alle 48–72 Stunden gegeben.

Was bedeutet das für Halter?

Mirtazapin ist kein „Futtertrick“, sondern ein medizinisches Werkzeug. Es hilft Katzen, die krankheitsbedingt nicht fressen wollen oder unter starker Übelkeit leiden.

Wichtig ist:

  • Die Ursache der Inappetenz muss geklärt sein.

  • Die Dosierung darf nicht eigenständig verändert werden.

  • Auffällige Verhaltensänderungen sollten tierärztlich abgeklärt werden.

Richtig eingesetzt kann Mirtazapin verhindern, dass eine Katze durch Nahrungsverweigerung in eine gefährliche Stoffwechsellage gerät.

Bekannte tierärztliche Präparate mit diesem Wirkstoff sind unter anderem Mirataz® (transdermal) oder magistral hergestellte Tabletten.